
Tugend klingt in unseren Ohren nach einer Moralauffassung, nach Geboten und Verboten, nach ethischen Grundsätzen, die berücksichtigt werden müssen, um ein geschätztes und respektiertes Mitglied der Gesellschaft zu sein.
In sämtlichen Kulturen und Religionen sind solche Regeln und Kodizes entstanden. Moral- und Verhaltenskodizes dienen dazu, klare Leitlinien zu setzen: Was ist gut, was ist schlecht, was ist richtig und was ist falsch? Sie zielen darauf ab, ein „richtiges“ Verhalten zu fördern und orientieren sich an Gesetzen und Vorschriften.
Die Konfuzianer im alten China, verstanden unter Tugend moralische und sittliche Verhaltenskodexe, die das zwischenmenschliche und gesellschaftliche-politische Leben regeln sollten. Das hohe Ziel der Konfuzianer ist, ein dem Dao und dem der “natürlichen” Lebensordnung entsprechendes, harmonisches Leben zu führen.
Naturgesetz: Wie innen so außen
All diese Normen sind von außen auferlegt. Das Naturgesetz heißt aber “Wie INNEN, so AUSSEN!”
Ein Daoist betrachtet Tugend als das Leben im Einklang mit dem DAO, was bedeutet, in vollkommener Harmonie mit seiner Seele, seiner innersten Natur und der Welt, in der er existiert, zu leben.
Das Verhalten der Menschen bestimmt sich in einer daoistischen Lebensweise nicht nach äußeren Vorgaben, sondern durch die fortwährende Selbsterkenntnis des Menschen, der sich als das erkennt, was er ist und als Teil eines größeren Ganzen, dem er dient. Dieser Mensch findet den Maßstab des “rechten” Verhaltens, der persönlichen Ethik in sich selbst.
Selbstreflexion – Verbunden mit allem
Jemand, der sich mit allen Lebewesen, der umgebenden Natur und letztlich dem gesamten Universum verbunden fühlt, erkennt sich als Teil eines Ganzen. Aus dieser tiefen Verbundenheit erwächst Liebe und Respekt gegenüber allem, was ihn umgibt. Handeln und Leben aus dieser Perspektive bedeutet, dass alles, was gegen die Umwelt, die Natur und andere Menschen unternommen wird, als Handlung gegen sich selbst empfunden wird.
Die innere Ethik, die mit Bewusstsein und Selbstreflexion einhergeht, manifestiert sich in den verschiedenen Facetten der Transformationsphase. Es ist ihre Energie, die ein moralisches Leben unterstützt. Die fünf Tugenden – Weisheit, Menschlichkeit, Ethik, Vertrauen und Rechtschaffenheit – beinhalten nicht nur äußere Aspekte, sondern auch stets die innere Dimension des Herzens und der Liebe. Diese umfassen mich und jedes andere Lebewesen als Teile eines Seins und einer Welt, die mein Sein und Wirken in dieser Welt prägen.
