Das unterschätzte Fundament meines Lebens.
Eine meiner ersten Fragen bei der Anamnese ist: „Wie war deine Geburt?“ Viele schauen mich mit großen Augen an und verstehen überhaupt nicht warum das jetzt wichtig sein sollte, wenn sie doch eigentlich wegen Burn-out, Depressionen, Lebenskrisen, Rückenschmerzen, Menstruationsbeschwerden, Migräne, Ängsten oder Beklemmungsgefühl zum Bespiel, bei mir in der Praxis sind.
Es ist unser Start ins irdische, grobstoffliche Leben. Es ist der Übergang von der heilen Welt in eine unbekannte Welt, die viel lauter, heller und gefährlicher ist, als der schützende, dunkle, ewig warme Mutterleib. Ich werden mit Reizen konfrontiert die meine Sinne komplett überfordern. Ich durfte bis jetzt nur fühlen, spüren und wahrnehmen, doch plötzlich muss ich mir Gedanken machen wie komme ich an Nahrung, wie komme ich an Wärme, wie komme ich an Berührung.
Geburtstrauma
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema des Traumas rund um die Pränatale Phase und Geburt. Mittlerer Weile weiß ich, dass diese erste Veränderung in unserem Leben die fundamentalste ist. Sie kann sehr harmonisch im Einklang mit dem Rhythmus von Mutter und Kind sein. Meist ist es aber alles andere als harmonisch.
Sie ist brutal, übergriffig, verstörend und lebensgefährlich. Es gibt kaum eine Geburt in der westlichen Welt die nicht mit Medikamenten beeinflusst wird. Ich habe das selbst erfahren – bei meiner eigenen Geburt und bei zwei von meinen Kindern. Es ist die Hölle. Die Schmerzen sind nicht vergleichbar mit einem natürlichen Verlauf. Vor allem wird ständig von verstärken auf hemmen gewechselt. Sehr oft kommt es dadurch zu lebensbedrohlichen Situationen im Geburtsverlauf.
Die Hormone fahren Achterbahn, die Nieren Energie, das Yin wird so stark erschöpft dadurch, dass dann sehr häufig postnatale Depressionen die Folge sind. Die Frauen können nicht mehr klar fühlen. Sie spüren ihre Bedürfnisse nicht mehr und sind komplett überfordert. Aber nicht weil sie die „Jungen sind und nichts mehr aushalten“, nein ihre biologischen Prozesse werden so stark verändert, dass die Natur länger braucht um alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Einfluss aufs Leben
Das erste Buch das ich zu diesem Thema vor über 15 Jahren las, war das von Prof. Dr. Johannes Huber – Liebe lässt sich vererben. Viele sind diesem gefolgt, auch Gespräche mit anderen Therapeuten, Workshops kamen – dieses Thema lässt mich nicht mehr los.
Ich bin fasziniert von den Auswirkungen, die Schwangerschaft und Geburt auf unser Leben haben. Auf meiner eigenen Reise zur Geburt stieß ich auf zahlreiche Herausforderungen, die sich auf mein Leben ausgewirkt haben, bedingt durch den Geburtsprozess. Heute sehe ich die dramatischen Auswirkungen der Geburten meiner Kinder und bin einerseits schockiert, andererseits beobachte ich die Folgen mit großer Neugier.
Je nachdem ob die Geburt medikamentös beeinflusst wurde oder mechanisch war – sprich Zange, Saugglocke oder auch Kaiserschnitt – sind unterschiedliche Phänomene im späteren Leben da.

In meinem Fall wurde die Geburt über Stunden radikal gestoppt medikamentös und dann sehr massiv wieder eingeleitet. Ich hatte lange Zeit ein Thema mit darf ich nach vorne gehen, in meine Zukunft oder soll ich mich lieber anpassen und still sein. Wie darf ich leben, darf ich mich so zeigen wie es mein Innerstes mir sagt. Habe ich überhaupt eine Lebensberechtigung. Wo ist mein Platz im Leben, der Familien, der Gesellschaft. Mein Körper war langsam im Stoffwechsel, den Bewegungen und die ganzen organischen Prozesse waren sehr still, unaufregend.
Als mir all das klar wurde, konnte ich endlich handeln und das Ruder selbst in die Hand nehmen.
Mögliche Auswirkungen
Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, haben oft Schwierigkeiten mit dem Rhythmus – sei es ihr eigener Atemrhythmus oder ihre Verdauung. Sie reagieren empfindlich auf Veränderungen im Alltag, der Routine und den Gewohnheiten.
Kinder die mit Saugglocke oder Zange geboren wurden, halten häufig keine Kopfbedeckungen aus oder drehen durch wenn die Haare geschnitten werden sollen. In schlimmen Fällen können auch Entwicklungsverzögerungen, oder neurologisch Probleme auftreten.
In beiden Fällen können Beeinträchtigung der Bindungsfähigkeit im Leben sein, oder es entwickeln sich Komplexe. Manche können keinen Selbstwert aufbauen. Das sind alles Beispiele für sehr schwerwiegende Symptome. Ich sehe aber auch immer wieder schwächer, unauffälligere wie motorische Schwierigkeiten, fehlende Körperspannung, stockender Sprachfluss, Konzentrationsschwierigkeiten, verminderte Aufnahmefähigkeit von Neuem, Passivität, fehlender Orientierungssinn usw.
Bei medikamentösen Eingriffen in der Geburt können sich später Symptome wie Drogenmissbrauch
vermindertes Schmerzempfinden
Angststörungen
fehlender Antrieb auch etwas zu Ende zu bringen
Kontrollzwang
verdrehtes Verständnis von Macht
die Augen vor der Realität verschließen
sich ständig persönlich angegriffen fühlen
Entscheidungsunfähig sein
sich immer wieder betrogen, in die Enge gedrängt fühlen….
entwickeln.
TCM Sichtweise
Die Schwangerschaft und Geburt werden vom Wasser Element genährt und von dort wird auch Energie genommen – genauer gesagt vom Jing. Jenem Reservoir, dass wir von unseren Eltern mitbekommen und unauffüllbar ist. Läuft die Geburt nicht nach dem eigenen Rhythmus, so braucht die Mutter mehr von dem Reservoir auf, dass ihr für das gesamte Leben zur Verfügung steht.
Sobald wir den Mutterleib verlassen haben, beginnt die Phase des Holzelementes. Es steht für Umsetzungskraft, Kreativität, Abenteuerlust, Bewegung, Reaktions- u. Anpassungsfähigkeit, Emotionen, Fokus halten können, Ausdauer, Leistungsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Entscheidungsfähigkeit.
Wenn nun der Start holprig war, sind alle obengenannten Bereich nicht gut mit Energie versorgt, bzw. es ist schwieriger diese zu entwickeln.
In den ersten Monaten stärken sich aber auch die Elemente METALL- Aufnehmen, abgeben, Struktur, Ordnung, (Selbst-)Kontrolle, Ja zum Leben, Durchhaltevermögen, Raumwahrnehmung, Abgrenzung,
und ERDE- nähren, Selbstbewusstsein, Auffassungsgabe, Neugierde, Interesse an Neuem, Ausdauer, Bauch- u. Körpergefühl, emotionale Stabilität, Selbstliebe und Selbstakzeptanz, Klarheit im Denken.
Das bedeutet die Geburt ist ein sehr großer Schlüsselfaktor für die Entwicklung all diese Faktoren bzw. den Qi Aufbau im jeweiligen Meridian.
Veränderungsmöglichkeit
Je mehr Informationen du über dein Geburt und die Schwangerschaft hast, desto leichter kannst du deine Herausforderungen, Blockaden, Muster und Prägungen verändern.
Du kannst Zusammenhänge erkennen und wirst handlungsfähig. Du solltest dein Lebensschiff selbst steuern.
Frage deine Mutter, wie es war und gib dich nicht mit der Antwort zufrieden: „Ganz normal, wie eine Geburt so ist.“ Geh ins Detail und du wirst erstaunliches entdecken, vielleicht kommen im Gespräch sogar Erinnerung in dir hoch, in Form von Gefühlen zum Beispiel.
Sei neugierig.
